OBERPFALZ – Verkehrslagebild der Oberpfalz für 2017

Niedrigster Stand bei den Verkehrstoten und Verletzten im Langzeitvergleich

Die Verkehrsstatistik weist für das Jahr 2017 sogar den niedrigsten Stand bei den im Straßenverkehr getöteten Verkehrsteilnehmern seit ihrer Einführung aus. Insbesondere bei Motorradfahrern gelang eine Trendwende. Trotz insgesamt steigender Unfallzahlen sank die Zahl der dabei verletzten Personen auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Hohe Zahlen bei den Wildunfällen und dem unerlaubten Entfernen vom Unfallort als Herausforderung.

 

  1. Aktuelle Verkehrsunfallzahlen und Langzeitentwicklung

 

Der langfristige Trend von steigenden Verkehrsunfallzahlen hat auch 2017 angehalten. Insgesamt ereigneten sich im Regierungsbezirk Oberpfalz im vergangenen Jahr 35.984 Verkehrsunfälle (2016: 35.214; +2,2 %); ein erneuter Höchststand im Langzeitvergleich (10 Jahre). Während sich die Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 3,8 % auf nunmehr 4.378 (2016: 4.550) reduzierten, stiegen sowohl die Zahl der Verkehrsunfälle mit Sachschaden und Anzeige (2017: 7.899; 2016: 7535; + 4,8 %) als auch die Verkehrsunfälle im Kurzaufnahmeverfahren, die sogenannten Kleinunfälle, an (2017: 23.707; 2016: 23.129; +2,5 %).

Auch bei den Unfallfolgen konnten Tiefstände verzeichnet werden. Mit 55 Verkehrstoten (2016: 80) kamen 31,3 % weniger Personen ums Leben, ein neuer historischer Tiefstand seit Einführung der Statistik im Jahr 1954. Auch die Anzahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen ging um 3,8 % auf 6.017 Personen zurück (2016: 6.257), der niedrigste Wert im Langzeitvergleich.

Maßgeblich für die Steigerung der Gesamtunfallzahlen sind ein neuerlicher Anstieg bei den Wildunfällen sowie die Entwicklung im Bereich der Verkehrsunfälle mit unerlaubten Entfernen vom Unfallort.

Mit insgesamt 9.943 Wildunfällen waren 211 bzw. 2,2 % mehr zu verzeichnen als im Vorjahr, nach 2015 (10.377) der zweithöchste Wert in diesem Bereich. Bedenklich stimmt der Anstieg bei den Verkehrsunfällen mit unerlaubten Entfernen vom Unfallort. Deren Anzahl stieg um 4,1 % auf 5.963 (2016: 5.728) an und stellt den Höchstwert im 10-Jahres-Vergleich dar.

Wird die aktuelle Verkehrsunfallstatistik mit der aus dem Jahr 2008 (Langzeitvergleich) in Relation gesetzt, so kann ein Anstieg bei allen registrierten Verkehrsunfällen um 17,5 % festgestellt werden. Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden gingen um 8,7 % zurück, während die Verkehrsunfälle mit Sachschaden und Anzeige um 19,4 % zugenommen haben.

Die Anzahl der Verletzten ging im Vergleich zu 2008 um 9,0 % zurück, bei den Getöteten beträgt der Rückgang 26,7 %. Wird der Vergleich zu 2011 – dem Bezugsjahr des Verkehrssicherheitsprogramms 2020 – herangezogen, beträgt der Rückgang bei den Verkehrstoten 39,6 %.

Zu einigen besonders exponierten Unfallbereichen sowie zu Unfallursachen und Risikogruppen ist Folgendes anzumerken:

 

  • Geschwindigkeitsunfälle

Im Bereich der Geschwindigkeitsunfälle konnte ein leichter Anstieg um 3,3 % auf 974 verzeichnet werden. Hierbei ist anzumerken, dass dies im Langzeitvergleich den zweitniedrigsten Wert darstellt. Trotz des leichten Anstiegs der Gesamtsumme ging die Anzahl von Geschwindigkeitsunfällen mit Personenschaden um 3,1 % auf einen neuen Tiefstand zurück. Während die Zahl der hierbei verletzten Personen annährend gleich blieb, kamen mit 15 Personen 10 bzw. 40 % weniger ums Leben als im Vorjahr.

Die Langzeitentwicklung in diesem Unfallbereich zeigt deutliche Rückgänge in jeglicher Hinsicht auf. Die Gesamtunfallzahlen reduzierten sich um 34,3 %, bei den Unfällen mit Personenschaden um  38,3 %, den Verletzten 41,5 % und den Getöteten um 28,6 %.

 

  • Alkoholunfälle

 

In Bezug auf die Alkoholunfälle kam es 2017 zu einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Mit 423 Unfällen war in 36 Fällen (+9,3 %) mehr Alkohol mit im Spiel, wobei 21 Personen mehr verletzt (+9,2 %), jedoch eine weniger getötet wurden.

Diese gestiegenen Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr spiegeln jedoch nicht den langfristig positiven Trend in diesem Unfallbereich wieder. So sind verglichen mit dem Jahr 2008 deutliche Rückgänge in Höhe von 14,9 % bei den Alkoholunfällen, 18,9 % bei den Verletzten und 61,5 % bei den Getöteten zu verzeichnen.

Verkehrsüberwachung

 

Durch Angehörige des Polizeipräsidiums Oberpfalz wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5.175 Messungen mit technischen Großgeräten oder Handlasermessgeräten zur Überwachung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit durchgeführt. Die Messdauer belief sich auf annährend 13.000 Stunden.

Im Zuge der Messtätigkeiten konnten 17.376 Geschwindigkeitsüberschreitungen im Anzeigenbereich festgestellt werden, ein geringfügiger Anstieg um 1,0 % gegenüber 2016.

Im Gegensatz hierzu wurden in diesem Bereich jedoch mit 43.973 bzw. 14,1 % deutlich mehr Verwarnungen mit Verwarnungsgeld ausgesprochen.

In 1.256 Fällen (2016: 1.311; -4,2 %) war die Geschwindigkeitsübertretung so deutlich, dass zusätzlich zur Geldbuße auch ein Fahrverbot verhängt wurde.

 

  1. Verkehrssicherheitsprogramm 2020 „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“

 

Im Rahmen der Umsetzung des Verkehrssicherheitsprogramms 2020 „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“ sind alle Dienststellen gehalten, eigene Verkehrsunfallanalysen zu betreiben. Sollten sich hierbei Unfallschwerpunkte herauskristallisieren, werden situationsangepasste weiterführende Maßnahmen, sowohl präventiver als auch repressiver Art, vorgenommen. Diese erstrecken sich auf den Bereich der Verkehrsüberwachung wie z. B. Geschwindigkeitsüberwachung mit mobilen Großgeräten aber auch mittels den bei den Dienststellen vorhandenen Handlasermessgeräten, auf die Prävention sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

Weiterhin wird mit anderen Verkehrsbehörden eng zusammen gearbeitet. So darf exemplarisch genannt werden, dass im Rahmen von Verkehrsunfallkommissionen und Verkehrsschauen erkannte Gefahrenstellen thematisiert und anhand neuer Beschilderungen oder Abänderungen im Streckenbau entschärft werden.

Auch im Rahmen von bundes- und landesweiten Verkehrsaktionen sowie der Ostbayerischen Verkehrssicherheitsaktion wird versucht, die Verkehrssicherheit zu maximieren.

Als konkretes Beispiel für getroffene Maßnahmen darf der seit 2017 durch das Polizeipräsidium Oberpfalz durchgeführte Aktionsplan zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für Zweiradfahrer angeführt werden, der auch 2018 fortgeführt wird.

Hierfür wurden kurz-, mittel- und langfristig angesetzte Maßnahmenpakete erarbeitet und – teilweise auch mit Unterstützungskräften der Bayerischen Bereitschaftspolizei – umgesetzt. Diese Maßnahmenpakete beinhalteten sowohl präventive als auch repressive Ansätze, wobei zu Beginn der Motorradsaison verstärkt Augenmerk auf präventive Maßnahmen wie Verkehrsunterrichte und Infostände gelegt wurde.

Im Verlauf der durchgeführten Kontrolltätigkeiten wurden oberpfalzweit neben mobilen Kontrollen auch 39 Kontrollstellen, vorwiegend an bekannten Verkehrsunfallschwerpunkten und Gefahrenbereichen, betrieben. Über 1.000 Motorradfahrer konnten so überprüft werden. Dabei wurden aber nicht nur festgestellte Verstöße geahndet. Die eingesetzten Beamten führten auch eine Vielzahl an Gesprächen, in deren Verlauf der/die ein oder andere Motorradfahrer /-in auch auf Gefahrenquellen hingewiesen wurde, an die bis dato noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang gedacht wurde.

Bericht: Polizei Präsidium Oberpfalz

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